Zivilrecht: Anspruch auf Schadenersatz bei Abbruch einer Ebay-Auktion

von Daniel Krug

Der BGH (Bundesgerichtshof) hat am 12.11.2014  entschieden, dass Verkäufer, welche bei dem Auktionshaus Ebay ein Angebot einstellen und dieses vorzeitig abbrechen, sich gegenüber einem Käufer schadensersatzpflichtig machen können.

Der Entscheidung liegt folgender Fall zugrunde:

Ein Verkäufer stellte bei Ebay einen VW Passat für ein Mindestgebot von 1 Euro ein.

Im Zuge dessen bot ein Käufer das o.g. Startgebot an und setzte eine Preisobergrenze i.H.v. 555,55 Euro, wobei jedoch durch den Verkäufer die Auktion vorzeitig beendet wurde.

Bei Beendigung war der Käufer Höchstbietender. Der Verkäufer hatte mittlerweile für das Fahrzeug anderweitig einen Käufer gefunden, welcher den Pkw für 4.200 Euro erwarb. Dies teilte er dem Ebay-Käufer per E-Mail auch mit.  

Der ursprüngliche Ebay-Käufer erhob sodann erfolgreich Klage auf Schadensersatz i.Hv. 5.250,00 Euro für den Wert des Fahrzeugs wegen Nichterfüllung des Kaufvertrages.

Das OLG (Oberlandesgericht) Jena sah einen Anspruch des Klägers als gegeben an.

Es teilte die Ansicht, dass der Ebay-Käufer aufgrund des Abbruches der Auktion Anspruch auf Schadenersatz erworben hat.

Hiergegen erhob der Beklagte Revision, welche durch den BGH verworfen wurde.

Er führte in seiner Entscheidung an, dass durch Abgabe des Mindestgebotes ein wirksamer Kaufvertrag zwischen den Parteien zustande kam. Der BGH sah in dem Geschäft keine Sittenwidrigkeit wegen eines Missverhältnisses zwischen Wert der Sache und dem tatsächlich angegebenen Maximalgebots des Käufers. Der BGH führt hierbei an, dass ein besonderes Merkmal bei Ebay-Auktionen vor allem die Möglichkeit des Käufers ist, besonders günstige „Schnäppchen“ zu erzielen und für den Verkäufer einen guten Kaufpreis durch sich überbietende Auktionsteilnehmer zu erreichen. Überdies wäre es dem Verkäufer ohne weiteres möglich  gewesen, auch ein höheres Mindestgebot anzugeben, sodass er selbst das Risiko des Fahrzeugerwerbs für einen Euro gesetzt hat.

BGH, Urteil vom 12.11.2014, VIII ZR 42/14  

 

Daniel Krug, Rechtsanwalt

mit Unterstützung durch Rechtsreferendarin Lilit Roth

Zurück