Verkehrsrecht: Radfahrer haftet bei Fahrt entgegen der Fahrtrichtung

von Daniel Krug

Fährt ein Pkw aus einer Grundstückausfahrt heraus und überfährt einen sich dort befindlichen Radweg, haftet er für einen Zusammenprall mit einem von rechts nahenden Radfahrer dann nicht, wenn er selbst sich langsam voran getastet hat und wenn der Radfahrer entgegen der für den Radweg vorgeschriebenen Richtung unterwegs war.

In diesem Falle greift die ansonsten geltende Vermutung, dass der Ausfahrtvorgang für den Unfall kausal ist, nicht. Und selbst die Betriebsgefahr des Pkw, die ansonsten meist zu einer zumindest anteiligen Mithaftung führt, solll hier zurücktreten, da das Verschulden des Radfahrers deutlich überwiege. So entschied das Landgericht Berlin bereits am 10.05.2011.

Wesentlich war für die Richter, dass der Radfahrer entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fuhr und dass der Pkw-Fahrer sich langsam vorgetatstet hatte. Er hatte den Sichtpunkt noch gar nicht erreicht, an dem er den Radfahrer hätte erkennen können, als es schon krachte. Er hatte also gar keine Chance, den Unfall zu vermeiden.

 

LG Berlin 10.05.2011, 41 O 41/11

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